Energiesparendes Bauen in München: Eine Erfolgsstory

Der Münchener Architekt Joachim Nagel steht für ökologisches, energiesparendes Bauen mit allen Konsequenzen. Er ist damit der einzige in der Münchner Bau-Szene und kann als Pionier auf diesem Gebiet bezeichnet werden, wie die SZ Online vom 17.05.2010 berichtet.

 

Niedrigenergiehäuser
Nagel gründete vor mehr als 15 Jahren sein eigenes Architekturbüro und baute herkömmliche Einfamilien-Häuser. Doch ging es ihm dabei schon damals um die Energie. Im Jahr 1985 baute er die ersten Niedrigenergie-Häuser. Ihr Verbrauch lag damals noch bei 60 bis 75 Kilowattstunden für einen Quadratmeter im Jahr.

 

„NEST“
Es war ein langer Weg bis zum heutigen Erfolg. Vor Jahren versuchte er seine Idee auf Umwelttagen publik zu machen. Doch mit schleppendem Erfolg. Als Gründe dafür vermutet er der SZ zufolge: Bestehende Vorurteile gegen Ökohäuser und das wirtschaftliche und technische Risiko, das der Hausbauer tragen musste. Zu Beginn der 90er entschloss sich Nagel deshalb dieses Risiko selbst zu tragen. Sein Angebot: Ökohaus zum Festpreis. Damit stieg er ins Bauträgergeschäft ein und gründete die Firma "Niedrigenergie Siedlungstechnik" oder kurz "Nest". Ziel war es, die Kosten für ein energie-effizientes Haus lediglich um fünf bis zehn Prozent über einem herkömmlichen Haus zu veranschlagen, nicht aber 30 Prozent, wie angenommen. Seine Idee dabei: Wie kann es gelingen ganz autark zu leben?

 

Passivhaus
Mitte der 90er plante und baute Nest in Karlsfeld, einer Gemeinde im Norden von München, 46 Reihenhäuser- der erste Erfolg. In Icking baute er sein erstes Passivhaus. Das erste Passivmehrfamilienhaus in München mit 18 Wohnungen und einer Kita kommt auch von Nest, für das sie den Bauherrenpreis erhalten haben.

 

Kunden dürfen mitentscheiden
Jetzt ist Nest als Bauträger mit zwölf Mitarbeitern etabliert und erhält viele Auszeichnungen. Dabei dürfen auch die Kunden in der Planungsphase mitentscheiden – ein durchaus unübliches Verfahren, das die künftigen Bewohner zufrieden stellt. Diese haben die Möglichkeit auch auf Details ihres neuen Zuhauses Einfluss zu nehmen. Zum Beispiel die Frage nach der Platzierung der Steckdosen oder der Gestaltung des Daches.

 

Energetisches Mehrparteienhaus
Jüngst baute Nagel ein weiteres Projekt in München mit insgesamt 33 Wohnungen. Das Mehrfamilienhaus spart nicht nur Energie, sondern kann über Photovoltaik auch eigene Energie herstellen. Es kann damit als das „wohl energetisch beste Mehrparteienhaus in München“ gelten, so die SZ Online weiter. Damit sei Nagel „weniger Missionar denn Pionier“. Ein Quadratmeter kostet durchschnittlich mit 3500 Euro nicht gerade wenig. Doch verkauft war das Haus schnell. Das unterscheidet Nagel von den meisten Bauträgern in der bayerischen Hauptstadt, die sich in großer Anzahl darüber beschweren, dass sich Wohnungen schlecht verkaufen ließen. Folgt man Nagel, so sollen die Mehrkosten für die Öko-Ausstattung des Hauses innerhalb von zehn Jahren durch Energieeinsparungen wieder gedeckt sein. Weitere Informationen rund ums Bauen in der bayerischen Landeshauptstadt: Alle Bauvorhaben in München & Umgebung von Terrafinanz Wohnbau.

 

Energieverbrauch
Den "Niedrigenergiestandard", den Bauträger heute anbieten und den das Gesetz jetzt vorschreibt, hatte Nest bereits vor 20 Jahren. Heute ist ein Bau von Nest beim Null-Verbrauch angelangt.

 

Eine Mission?
Kann man Nagel mit seinem Vorhaben als Missionar bezeichnen? fragt sich die SZ. Er selbst bezeichnet sich so. Doch kommt das auf den Begriff an. Nagel ist jedenfalls in dem Sinne kein Missionar, weil sonst eine größere Anzahl an Bauträgern und Architekten seinem Beispiel hätten folgen müssen – konsequentes energiesparendes Bauen. Doch auch heute noch ist Nagel beinahe der einzige und kämpft noch immer für das Energiesparen in der Bau-Branche.

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